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Dogmatik

Gottesbeweise

Das Scheinproblem von Gottesbeweisen

1) Gott ist nicht Gegenstand des Seins. „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“(Dietrich Bonhoeffer). Um Gott zu „sein“, kann er durch nichts überbestimmt sein, auch nicht durch das Sein.

Nach den Erkenntnissen der Quantenphysik „verschwimmen“ die Elementarteilchen der Materie zwischen Sein und Nichtsein (sie sind – unbeobachtet – sowohl überall als auch nirgends).Es herrscht die mehrwertige Logik: Sein und Nichtsein sind lediglich Erscheinungen von etwas Drittem(Quantenfeld).In der Kosmologie geht man davon aus, dass es über die so genannten Primärdimensionen Sein/Nichts hinaus unendlich viele weitere Dimensionen „gibt“.

Umso weniger kann Gott auf eine Existenz festgelegt sein!

2) Gott unterliegt nicht der Beweisbarkeit. Er hat diese ja erst – wie alles – „erschaffen“. Wäre er beweisbar, unterläge er – im Widerspruch zu seiner Allmächtigkeit – der Vernunft, die das Erkenntnisinstrument des Beweises hervorgebracht hat.

3) Letztlich ist ohnehin nichts beweisbar (auch die Beweisbarkeit nicht).

„Der Glaube an die Existenz von irgendetwas, einschließlich meiner selbst, kann unmöglich als wahr erwiesen werden und beruht, wie jeder Glaube, auf einer irrationalen Überredung oder Eingebung des Lebens“ (George Santavana).

Kein System kann sich aus sich heraus (ohne Metaebene) beweisen (vergleiche Gödel), letztlich also auch nicht das Sein (vergleiche insbesondere Gorgias und den Zirkelschluss von Descartes: „cogito, ergo sum“ ).

4) Beweisbarkeit ist – wie alle Denkinhalte, Denkstrukturen und Denkprozesse – lediglich ein geistiges Konstrukt (vergleiche insbesondere Berkeley sowie die moderne Kognitionswissenschaft).
Das von der Evolution als Überlebensstrategie (für die Orientierung im Überlebensbereich) entwickelte Denken versagt außerhalb seines Bestimmungsbereiches.Die Quantenphysik hat dies für den Bereich des Elementaren in der materiellen Natur aufgezeigt (unsere Begriffe sind nicht geeignet, subatomare Vorgänge widerspruchsfrei zu erfassen), die Relativitätstheorie für den Bereich des Universums („ gekrümmte Raumzeit“), die Chaosforschung für den Bereich dynamisch komplexer Strukturen (der Reduktionismus scheitert als Erklärungsmodell),

5) Die Bibel postuliert daher die Unvorstellbarkeit, erst recht die Unbeweisbarkeit Gottes.Hierzu ist insbesondere auf die Selbstezeichnung Gottes als „Jahwe“(„Ich bin, der ich bin“) sowie auf das zweite Gebot hinzuweisen (das übrigens nicht lediglich besagt, dass wir uns kein Bild von Gott machen sollen, sondern auch, dass wir uns keine Vorstellung von der Welt machen sollen, gemeint, weil wir dies nicht können).

Beitrag von Knut Hacker, 2009-12-11 18:19


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