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Dogmatik

Paradoxien der Sündenlehre

Die Paradoxien der Sündenlehre

Die christliche Sündenlehre führt logisch betrachtet dazu, dass Gott uns – trotz seiner Liebe – die Möglichkeit, zu sündigen, verliehen hat ( 1.Kor.4,7; Matth.5,45;10,29; Rö.8,12; Jer.45,5; Jes.45,7 Kl.3.38,47; Am.3,6; Spr.16,4) , obwohl er selbst nicht sündigen kann (aber durch die Schaffung der Sünde doch gesündigt hat) und uns – wegen seiner Liebe – die Sünden – aber doch nur im Falle der Reue – vergibt, statt sie von vornherein erst gar nicht zuzulassen beziehungsweise die Möglichkeit, zu sündigen, überhaupt nicht geschaffen zu haben.

Will man diese Paradoxien auflösen, bietet sich folgendes Verständnis an:

Gott hat uns in seiner Liebe die Freiheit von sich gegeben (statt uns zu seinen Marionetten zu machen), in unseren Lebensdimensionen (in denen es die Freiheit als positive Wertvorstellung erst gibt) selbst göttlich zu sein ( 1. Mos.1,26f), indem wir uns über die wertneutrale “Natur“ (Naturkatastrophen und die Brutalität im Tierreich sind nicht „böse“) in Verantwortung erheben können, wie Gott sie im allmächtigen Sinn trägt.Diese Verantwortung hat Gott in der Form der Wertungs-(„gut“ und „böse“), Erfahrungs-(Freude und Leid) und Handlungsmöglichkeiten (Nächstenliebe,“Sünde“) eingerichtet (entsprechend der Gegensatzstruktur unserer Lebensdimensionen).

Wenn wir diese Verantwortung durch Liebe und Hinnahme von Leid (das wir als solches werten) gerecht werden, dann erfahren wir in dieser „Übernatürlichkeit“ Gott ( „inwendig in“ uns; Luk.17,21). Anderenfalls „sündigen“ wir, das heißt wir bleiben der dann als „Hölle“ erlebten Natur (mit ihren Grausamkeiten) verhaftet ( sind „schon gerichtet“;Joh.3,18). Wir werden dann also nicht von Gott verstoßen, was seiner Liebe widerspräche und ungerecht erschiene, da er uns ja “ungefragt“ geschaffen und die Möglichkeit, zu sündigen, eröffnet hat.Aber es entgeht uns dann sozusagen als „Strafe“ die Gotteserfahrung, die wir allerdings auch dann gewinnen können, wenn wir „Reue“ zeigen, also Verantwortungsbewusstsein in uns tragen und uns diesem stellen.

Gott macht uns also in seiner Liebe zu von ihm selbstständigen Ebenbildern, wobei die Ebenbildlichkeit in der (begrenzten) Verantwortung zu sehen ist, in der wir, wenn wir ihr gerecht werden, die Göttlichkeit Gottes erfahren können, aber sie uns auch – wenn wir uns ihr nicht stellen – entgehen lassen können.

Beitrag von Knut Hacker, 2010-05-06 19:37


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